Eigentlich ist ja Science Fiction meins, aber die Zukunft, in der Micky Cola lebt, ist nicht so mein Traum.

Auch wenn pandemiemäßig einiges schief und vielleicht auch in diese Richtung läuft, diese Zukunftsversion sollten wir verhindern können ….Gerhard Loibelsberger: Micky Cola

Natürlich ist es kein „wahrer“ Zukunftsroman, der sich auf Studien stützt, sondern fast ein bisschen ein Film Noir, wenn man zum Buch auch noch die Seite von Micky Cola besucht: https://www.mickycola.com/ und einiges kommt einem beim Lesen fast vertraut vor. In diesem Roman kann man mit dem implantierten Chip wirklich einkaufen.

Die Geschichte ist nicht sehr vergnüglich: Es ist die Zeit nach dem letzten großen Krieg. Die Church of Knowledge hat mit der Wiedervereinten Nationen die Herrschaft über die Metropolitan Area übernommen, in der Normverbraucher (=Menschen), aber auch Mecs (Mechanical Creatures), Avatare und Mischwesen zwischen Tier und Mensch (alle zusammengefasst als Organoide) leben.

Gesteuert über einen Chip, unter Drogen gesetzt und ruhig gehalten durch Einheitsgetränke und Einheitsessen.
Nur Micky Cola ist anders. Ein Liedermacher, der nicht per Chip, sondern in bar bezahlt und es mittels seines Chips schafft in die Archive der Church of Knowledge einzudringen und damit eine vergangene Welt kennen lernt. Doch damit beginnt auch seine Verfolgung durch die Obrigkeit, die ihn zuerst in die Mines of Waste bringt, dann jedoch in die Arme deren Besitzerin, eine der herrschenden Oligarchen und ihn schließlich zum Kampf und zur Vernichtung der Church of Knowledge führt.

Ob er diesen Kampf gewinnt und damit alles besser wird? Hm, diesen Punkt lässt der Autor offen. Dazwischen liegt jedoch ein grausamer Kampf, in dem alles terminiert und gevögelt wird, was dem Helden auf seinem Weg begegnet.

Gesprochen und erzählt wird recht international, in einer Mischung aus Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch, die als City Rap bezeichnet wird. (So habe ich es zumindest auf der Website von Micky Cola gelesen)
Keine Angst: solltet ihr der Sprachen nicht mächtig sein, es gibt am Ende des Buches die notwendigen Übersetzungen dazu. Danach ist es möglich in allen vier Sprachen zu fluchen und zu schimpfen. Wer also noch seinen Urlaub in Frankreich oder Italien vor sich hat, wird mit Wörtern wie „Vaffanculo“, „stronzo“ oder „merde“ sein Insiderwissen zeigen können.

Außerdem finden sich im Buch QR-Codes, die den Leser direkt zu den Songs von Micky Cola führen und damit auch auf die Website von Micky Cola. Irgendwie ist daher Buch, Songs, Website ein Gesamtkunstwerk, das sich fast wie ein Film anfühlt. Vom Film Blade Runner inspiriert, wie Autor Gerhard Loibelsberger auf der Website schreibt. Die Zeichnungen und Videos wie auch das Buchcover stammen von Jörg Vogeltanz.

Mir ist das Ganze allerdings zu brutal. Micky Cola in meinem Kopfkino sieht anders aus und ich kann mit Erzählungen und Beschreibungen wie es Menschen, Normverbraucher oder Lemuren in Einzelteile zerlegt, leider nicht viel anfangen. Ich mag auch den Film Blade Runner nicht. Sorry. Ich wünsch mir da lieber Kommissar Joseph Maria Nechyba zurück, auch wenn ich verstehen kann, dass man als Autor auch gerne mal von der Vergangenheit in die Zukunft schauen möchte.

Mein Fazit daher: Nicht meins, aber wahrscheinlich werden Blade Runner Fans ihre Freude an der Geschichte haben.
Für alle Fans der Link zur Micky Cola Website: www.mickycola.com

Gerhard Loibelsberger: Micky Cola
ISBN 978-3-8392-0050-6
Gmeiner Verlag
www.gmeiner-verlag.de